Die Klassikklasse


Brief Mozarts an seinen Vater
14. Januar 2010, 12:45
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Wien , 9 Juni 1782

Mon trés cher Pére!

Dieses schreibe ich in der Behausung der guten Frau W. – ich bin den 2 Gott lob- glücklich und munter hier angelangt.
Meine Stelle bei Herrn Graf Codorello habe ich , wie Sie schon wissen wieder aufgeben müssen. Es war schier unerträglich
mit ihm. Ich weiß nicht welches Vöglein mir mal wieder den Rat gab mich nochmals bei ihm zu bewerben und die Stelle nochmals anzunehemn, obschon ich doch wusste welch sparsame und unlustige Person er doch ist.
Ach Vater, mein Herz ist schwer und ich bin zutiefst enttäuscht, wohl von meiner Wenigkeit selbst, dass ich Sie und Nannerl ,meine liebste Nannerl in Salzburg zurückgelassen habe …
Doch ich musste meinen eigenen Weg gehen und hier in Wien lässt’s sich ganz anständig leben. Ich habe drei Schüler, die ich unterrrichte und erhalte von jedem einzelen 700 Gulden im Jahr, das ist doch eine recht vernünftige Besoldung, finden Sie nicht auch ?
Zudem muss ich Ihnen gestehen, dass ich trotz dieser Summe noch immer kein Zimmer habe aufsuchen können.
Derzeit wohne ich bei Frau Weber, Sie erinnern sich, an die Frau Mutter des Fräulein Aloysias, die ich mit
meiner gütigen – Gott segne sie- Mutter auf meiner Reise nach Paris kennenlernte.
Nun denn , dieses Fräulein Alyosia ist nun mit einem gewissem Herrn B. in Ehe getreten und ich muss Ihnen wahrlich Recht geben , sehr geehrter Vater sie
ist wirklich nicht die Richtige für mich , erst jetzt wo ich näher mit ihr vertraut bin, nehme ich ihren hässlichen Charakter wahr.
Doch ganz im Gegensatz zu dieser faulenund grässlichen Person, ist hier noch eine ganz entzückende , ihr Name ist Constanze , auch sie ist eine Weberische –
-sie ist die Mittelste-meine gute, liebe Constanze – die Marterin darunter, und eben deswegen vielleicht die gutherzigste, geschickteste und mit einem Worte die Beste darunter. – Die nimmt sich um alles im Hause an – und kann doch nichts recht tun. Oh, mein bester Vater, ich könnte ganze Bögen voll schreiben, wenn ich Ihnen alle die Auftritte beschreiben sollte, die mit uns beiden in diesem Hause vorgegangen sind. Wenn Sie es aber verlangen, werde ich es im nächsten Briefe tun.- Doch bevor ich dies tue muss ich ihnen doch näher mit dem Charakter meiner liebsten Constanze bekannt machen . Sie ist nicht hässlich aber auch nichts weniger als schön .-
Ihre ganze Schönheit besteht, in zwei kleinen schwarzen Augen, und in einen schönen Wachstum. .-sie hat zwar keinen Humor doch einen recht vernünftigen Menschenverstand,der völlig ausreicht um die Pflichten als Frauenzimmer und Mutter zu erfüllen .- Und sie ist gar wundervoll , denn sie kennt nichts anderes als das bescheidene Leben und legt keinen besonderen Wert auf pompöse Kleidung- nicht das sie nicht reinlich wäre , so ist dies bestimmt nicht lieber Vater – sie hat das reinste und gutmütigste Herz der Welt !- Sie liebt mich , genauso wie ich sie und mein Klavier liebe .
Sagen Sie mir, ob ich mir eine bessere Frau wünschen könnte ?? Ich schicke Ihnen außerdem noch ein Bildnis meiner Constanze.
Nächste Woche werden wir Sie und Nannerl besuchen und hoffentlich auch Ihren Segen für die Hochzeit bekommen ?!

Adieu, und aufbald

Ihr Sie liebender und bewundernder Sohn

Wolferl

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