Die Klassikklasse


Ein Interview mit Hegel
13. Januar 2010, 14:00
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M=Moderatorin H=Hegel

M: Guten Abend meine Damen und Herren, willkommen bei der Talkshow der Toten!
Hier und heute holen wir die Berühmtheiten der Vergangenheit zu uns, die Geheimnisse der Verstorbenen werden bei uns gelüftet!
Heute bei uns zu Gast: Hegel, einer der bekanntesten Philosophen überhaupt, direkt aus dem 19. Jahrhundert!
Herr Hegel, Wollen Sie sich nicht kurz vorstellen?

H: Guten Tag. In der Tat, ich bin Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Sie sagten stellen Sie sich kurz vor, ich fasse mich zwar nicht gern kurz, aber gut. Derzeit leite ich das Egidiengymnasium in Nürnberg und verdiene damit mein bescheidenes Gehalt. Was wollen Sie denn wissen, soweit ich das recht verstand soll ich hier etwas über mich erzählen?

M: Ja, ganz richtig. Fangen wir doch gleich an Herr Hegel. Welches Jahr schreibt man denn momentan in Ihrer Zeit? Das würde unseren Gästen ungemein helfen sich zu orientieren.

H: Das Jahr 1809 um genau zu sein.

M: Aja. Dann sind Sie jetzt also 38 Jahre alt?

H: Ganz recht.

M: Dann, beginnen wir mit Ihrer Familie. Haben Sie gute Beziehungen zu Ihren Verwandten, Eltern, Geschwistern?

H: Jaja, so wie das halt ist. Man versteht sich. Man versteht sich nicht. Man ist verwandt. Der gelegentliche Briefaustausch reicht mir völlig aus. Meine Eltern sind leider beide verstorben. Mein Vater starb vor 10 Jahren, und meine Mutter schon kurz nach meiner Geburt.

M: Verstehe. Dann – Erzählen Sie uns doch etwas aus ihrem Liebesleben. Mit 38 Jahren noch unverheiratet? Wollen Sie frei und ungebunden bleiben, oder finden Sie einfach nicht die Richtige? Oder haben Sie etwa schon jemanden im Auge, wenn Sie verstehen was ich meine?

H: Also, zu meiner Zeit wäre diese Frage äußerst unangebracht. Und das auch noch vor Publikum – nicht auszudenken. Aber ich nehme an, andere Zeiten andere Sitten. Und werde ich zurückkehren wird wohl kaum jemand davon erfahren, nicht?
Es gibt da schon eine nette junge Dame, an der ich Interesse hätte. Tucher ist ihr Name. Jedoch kann ich kaum sagen ob aus uns je etwas wird. Und überhaupt, lassen wir das. Haben Sie denn keine ernsthaften Fragen? Wenn das so weitergeht sehe ich keinen Grund Sie und Ihr Publikum weiter mit meinem Privatleben zu belustigen.

M: Warten Sie, warten Sie.
Das ist eine Talkshow, wir müssen Sie schon etwas näher kennen lernen bevor die komplizierteren Fragen gestellt werden. Aber gut. Reden wir doch von Ihrem Freundeskreis. Darunter befinden sich auch einige Berühmtheiten wie Goethe, richtig?

H: Ja, in der Tat, dem lieben Herrn Goethe habe ich viel zu verdanken. Er verhalf mir vor 4 Jahren zu meiner Ernennung zum Professor. Ein sehr freundlicher und gebildeter Mensch ist er.
Auch meine Freunde Schelling und Hölderlin haben es eindeutig zu etwas gebracht. Manchmal wünschte ich die Zeit hätte uns nicht derart auseinander gerissen.

M: Tja, wie das eben so ist. Und jetzt zum Schluss, geben Sie doch noch ein kleines Statement zu den Ereignissen ihrer Zeit ab! Sie sind doch politisch sehr interessiert, nicht? Sie sind doch allgemein ziemlich gebildet in den verschiedensten Fachgebieten, erzählen Sie uns doch einmal was Sie so über die Zukunft (die wir natürlich schon kennen) denken!

H: Nun ja. Da die Französische Revolution wohl das bedeutendste Ereignis meiner Zeit ist, werde ich eben mit ihnen darüber reden. Nun, zwar waren nicht alle Auswirkungen positiv, jedoch muss ich sagen, im Großen und Ganzen ist dieser Machtwechsel nur recht und billig gewesen. Ursprünglich gefielen mir die Ideen der Jakobiner sehr gut, doch die Grausamkeiten die im Namen dieser Ideen begangen wurden sind trotz allem unverzeihlich. Die Fraktion der Girondisten sprach mich später mehr an.

M: Und was halten Sie von Napoleon Bonaparte?

H: Oh. Napoleon ist ein großer Mann, ich denke er wird die Welt zum Besseren verändern. Ich weiß nicht soviel wie Sie wissen, aber ich habe große Erwartungen an ihn. Er ist ein wahrer Weltgeist zu Pferde.
Haben Sie noch weitere Fragen?

M: Nein, das wär’s fürs Erste. Und unsere Sendezeit ist leider ziemlich begrenzt. Aber ich hoffe Sie hatten trotzdem genauso viel Spaß wie wir!
Jetzt ist es Zeit Sie in ihre Zeit zurückzuschicken, wir können Ihnen leider nicht viel mehr verraten, sonst würden wir womöglich die Vergangenheit verändern, deshalb wünsche ich Ihnen ein wunderbares weiteres Leben, glauben Sie mir, es wird wunderbar, soviel darf ich doch sagen.
Vielen Dank für dieses spannende, und ebenso informative, Interview!

M: Und Ihnen, liebe Zuschauer, wünschen wir ebenfalls einen spannenden weiteren Abend! Nächste Woche bei uns: Abraham Lincoln! Hören sie was der 16. Präsident der Vereinigten Staaten uns zu sagen hat! Eine Sendung wie Sie sie noch nie gesehen haben!
Und verpassen sie auch auf keinen Fall die nachfolgende Sendung, „Philosoph sucht Frau“.
Gleich geht’s weiter – Nach der Werbung!

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1 Kommentar so far
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Ausnahmsweise eine Talkshow, die nicht langweilig war und bei der ich gern länger dabei geblieben wäre. Ich werde sie mal in unserem Philosophie-AG-Wiki verlinken. (http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/philosophie#Hegel)

Kommentar von apanat




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