Die Klassikklasse


Ein Interview mit Immanuel Kant
14. Oktober 2009, 13:30
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Die zweite kreative Arbeit zu dieser Aufgabe und ich bin vom Ergebnis sehr beeindruckt:

Herr Kant, Sie sind einer der bekanntesten deutschen Philosophen, was war Ihrer Meinung nach der Schlüssel zu ihrem Erfolg?

Schlüssel zum Erfolg? Ich denke es wäre vermessen von „meinem“ Erfolg zu sprechen. Es ist der Erfolg meiner Thesen, nicht der meinige. Hätte ich diese Schriften nicht verfasst, hätte es sicherlich jemand anderes in einer gewandelten Form irgendwann getan. Außerdem sollte sich ein Philosoph nicht mit Erfolg oder Ruhm schmücken, das ziemt Ihm nicht.

Um den Erfolg, wie Sie es formulieren, ihrer Schriften zu ermöglichen, mussten sie sich aber selbst erst einmal ein Studium anstreben. Und soweit ich informiert, bin stammen sie aus einer Familie die Ihnen das Studium nicht ermöglichen konnte. Wie haben Sie es also doch geschafft, studieren zu können?

Ich habe gearbeitet, unter anderem als Hauslehrer, um mir das Studium finanzieren zu können.

Und durch Billardspiel in den Salons?

Das ist richtig. Ich war definitiv ein besserer Billardspieler, als ich ein Hauslehrer war.

Finden Sie es nicht sehr bedenklich, dass immer noch die Bildung des Elternhauses und damit verbunden die finanzielle Stellung der Eltern maßgeblich entscheidend sind für die Bildung der Kinder?

Ich bin nicht der Meinung, dass die Ausbildung nur von dem finanziellen Status der Eltern abhängt.

Vielleicht zu einem kleinen Teil, aber entscheidend ist doch der Antrieb des Lernenden, die Leidenschaft, Wissen anzusammeln und seinen Horizont zu erweitern.

In diesem Kontext ist zu erwähnen, dass empirisch nachgewiesen ist, dass Studenten, die sich das Studium selbst finanzieren im Durchschnitt deutlich besser abschneiden als der Rest der Studenten.

Des weiteren lernt man dadurch auch noch ganz andere Dinge, wie man sein Leben selbst gestaltet oder auch wie man Verantwortung für sich übernimmt. Elementare Eigenschaften die heutzutage auch von den Arbeitgebern vermehrt verlangt werden.

Nun, dann lassen Sie uns doch über Ihre erfolgreichen Thesen sprechen:

Beispielsweise die Metaphysik. Sie ist für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, können Sie uns vielleicht erläutern, was Sie uns mit dieser These vermitteln wollten?

Ein Buch mit sieben Siegeln? Eine interessante Formulierung.

Nun denn, die Metaphysik fragt nach der Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis. Zuerst wird die sinnliche Wahrnehmung untersucht und dabei zwei Formen reiner sinnlicher Anschauung gefunden: Raum und Zeit.

Mit ihnen werden alle Empfindungen geordnet und anschließend vom Verstand zu Begriffen geformt. Bei der anschließenden Untersuchung des Denkens werden die Kategorien gefunden.

Sie verbinden die Begriffe zu Urteilen und werden vom Verstand wie Stempel in die sinnliche Wahrnehmungen hinein geprägt. Unser Verstandeswissen bleibt aber mit allen diesen Möglichkeiten nur auf die Welt der Erscheinungen beschränkt.

Will der Verstand, indem er sich zur schließenden Vernunft entfaltet, unsere Welt der Erscheinungen überfliegen und nach dem Wesen der Wirklichkeit per se greifen, verwickelt er sich in Widersprüche und gerät ins Straucheln. So muss er aufgeben und sich mit der Einsicht begnügen, dass die Ideen als Zeichen des Absoluten nicht bewiesen werden können, dass aber auch nicht auf sie verzichtet werden kann.

Wollen Sie damit sagen, dass nichts, was wir wahrnehmen „wirklich“ ist?

Nicht ganz. Wir können lediglich nicht wissen, ob die Wirklichkeit so beschaffen ist, wie wir sie mit unserem Verstand zu erkennen glauben.

Dann folgt daraus aber auch, dass es nicht möglich, oder gar sinnvoll ist, über die Dinge „an sich“ zu sprechen, sondern dass es nur möglich ist, über die Dinge zu sprechen, nachdem ihnen von unserem Verstand eine gewisse Ordnung vorgegeben wurde?

Gut erkannt, genau so ist es. Wie wollten Sie über etwas sprechen, was Sie gar nicht kennen? Diese „Wirklichkeit“ haben Sie ja noch nie zu Gesicht bekommen.

Und noch ein wichtiger Aspekt:

Andere Philosophen vor mir, so auch David Hume, der nicht gläubig war, haben eine Theorie der Wahrnehmung vertreten, die voraussetzt, Gottes Wahrnehmung sei das eigentliche Vorbild.

Ich hingegen nicht.

Genau dadurch entstand dann ja auch der Vorwurf, dass Sie den Menschen, nach dessen Wahrnehmung die Dinge sich zu richten haben, und nicht umgekehrt, zu einem „Gott im Kleinen“ machen.

Das ist kein uninteressanter Vorwurf. Dennoch entgegne ich, dass ich dem Menschen keine gottesähnliche Wahrnehmung nachsagen will. Ich betone ausdrücklich den Unterschied zwischen dem göttlichen und dem menschlichen Geist, was mir deutlich weniger anmaßend scheint.

Herr Kant, Sie unterscheiden zwischen Verstand und Vernunft.

Könnten Sie uns den Unterschied vielleicht etwas näher bringen?

Selbstverständlich. Der Verstand ist der Erkenntnis verpflichtet. Die Vernunft dem Denken. Der Verstand spielt eine wichtige Rolle, ist dennoch alleine eher nutzlos.

Der Verstand kann Daten sammeln, Tatsachen festhalten oder Tabellen erstellen.

Die Vernunft hingegen geht darüber hinaus und lenkt unser Streben.

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen ihrem kategorischem Imperativ „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ und dem Sprichwort „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu“?

Das ist nichts neues, dieser Vorwurf wurde mir schon kurz nach der Veröffentlichung gemacht.

Ich verstehe das Problem nicht, wer will denn ein neues Moralgesetz anbieten?

Was ich versucht habe zu ermöglichen, ist eine durchdachte, fundierte Bestimmung guten und richtigen Handelns.

Der kategorische Imperativ stellt keinen Ersatz für das „selber Denken“ dar, er soll ferner nur eine Hilfestellung sein, das eigene verantwortungsvolle Handeln zu erleichtern.

Sie haben ja nicht nur in philosophischer Hinsicht einige neue Ansätze geliefert, sondern auch als politischer Vordenker. Wie empfinden Sie die Umsetzung der von Ihnen geforderten Völkergemeinschaft, in Form von Institutionen wie der UNO?

Ich empfinde es als erfreulich, eine solche Entwicklung beobachten zu können.

Vielen Dank Herr Kant für Ihre Geduld und Ihre äußerst interessanten Ausführungen.

Ich danke auch.

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11 Kommentare so far
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Ein sehr sympathischer Kant. Und er weiß seine Erkenntnisse sehr anregend auf unsere heutige Zeit zu beziehen. In diesem Interview hat er mich sehr beeindruckt. Aber es ist doch wohl nicht die Metaphysik, die nach der Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis fragt, sondern die Erkenntnistheorie, oder?

Kommentar von apanat

Ohne eine philosophische Diskussion anzetteln zu wollen: wenn die Metaphysik nach den zugrundeliegenden Dingen fragt (siehe wikipedia), dann kann man die Erkenntnistheorie doch ruhig zur Metaphysik rechnen, oder? Zumindest wird das hier auch getan.

Kommentar von Frau_Presser

Die Wikipedia geht an der angegebenen Stelle darauf ein, dass Kant danach fragt, was Metaphysik leisten kann. Philologisch gefragt: Ist die Frage, was Medizin leisten kann, eine medizinische Frage?
Kant jedenfalls bezeichnete seine kritische Leistung als Vorrede zu einer Metaphysik.

Kommentar von apanat

Ein sehr interessantes Interview, das direkt Lust auf mehr macht! 🙂 Besonders schön finde ich auch die interessanten Details, wie beispielsweise das Billardspielen. Weiter so! 😉

Kommentar von karolinevonguenderrode

Der Interviewer und Karoline sprechen mir aus der Seele: „äußerst interessante Ausführungen“ und „Lust auf mehr“!

Deswegen der Zusatz: Wunderbar der Hinweis auf das Sprichwort; aber Kants Imperativ entspricht ja weniger dem sprichwörtlichen „Was du nicht ..“ als der positiven Form der goldenen Regel, also „Was du willst, dass …“. Aber die Probleme, die er sich damit auflädt, sind m.E. dieselben, die die Wikipedia zur Goldenen Regel anführt.

Kommentar von apanat

Danke für das positive Feedback.^^
Zu den fachbezogenen Fragen:
Ich habe mich nur ganz pertiell mit Kants Lehren befasst, demnach kann ich leider auch nicht unterscheiden zwischen Methaphysik und Erkenntnistheorie. Die Links seht ihr ja selber, eine ganz interessante Seite ist da dabei:
http://www.daniel-von-der-helm.com/kant/kant-philosophie.html
Kann ich nur empfehlen, falls weiteres Interesse besteht.
Zu dem Sprichwort:
An sich ist es doch genau das gleiche, nur anders herum formuliert, würde ich jetzt nicht so kritisch sehen.^^

Kant

Kommentar von Immanuel Kant

Frage statt eines Kommentars: In wie fern orientiert Hume sich bei seinen Aussagen über ‚wahrnehmen‘ an der ‚göttlichen Wahrnehmung‘?

Kommentar von amruthgen

Hey there! This is my first comment here so I just wanted to
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Can you suggest any other blogs/websites/forums that go over the
same subjects? Many thanks!

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let me rephrase that:

Thank you for lunch!

Kommentar von glimmers

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