Die Klassikklasse


Bewerbungsschreiben für die Stelle als Deutscher Bildungs- und Forschungsminister von Wilhelm von Humboldt
20. November 2009, 09:30
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Ich bewerbe mich hiermit um die Stelle als deutscher Bildungs- und Forschungsminister. Ich bin 1776 in Potsdam geboren und genoss eine vorzügliche, private, Ausbildung in den Naturwissenschaften, und ich spreche fließend Latein, Griechisch und Französisch. Ich hatte mehrere Studienaufenthalte, unter anderem in Frankfurt an der Oder und in Göttingen. Hinzu kommen zahlreiche Auslandsaufenthalte in Paris, der Schweiz und Rom. Ich habe die Folgen der französischen Revolution untersucht und war sogar schon im Vatikan als Preußischer Gesandter angestellt! Reisen nach Spanien habe ich auch unternommen und war eigentlich der erste der das Baskische sprachwissenschaftlich analysiert hat. Mein Bruder, der Alexander, hat übrigens Südamerika als erster Mensch überhaupt erforscht. Die Bildungspolitik der Deutschen habe ich überhaupt erst in Gang gesetzt! Sie sehen also, werte Politiker, dass mein Lebenslauf deutlich beeindruckender ist als der von dieser Annette Schavan. Sowieso ist mein Bildungsideal von ihren inkompetenten Bildungsministern völlig über den Kopf geworfen worden!

Mein Begriff von Bildung ist der von Allgemeinbildung! Doch was passiert heutzutage? Man muss sich immer früher spezialisieren, weil die Unternehmen das ja so fordern! Mein Begriff von Bildung ist der von einem autonomen Individuum das seine Ziele und die Selbstbestimmung durch Vernunftgebrauch erlangt. Doch wo haben wir Individuen bei diesen Massenunis? Wo ist die persönliche Entfaltung? Mein Begriff von Bildung ist der eines Weltbürgertums! Die Jungen Leute müssen sich mit großen Menschheitsfragen auseinandersetzen wie z.B. dem Austausch der Kulturen, des Friedens, der Gerechtigkeit, der Geschlechterverhältnisse oder der Beziehung zur Natur. Mein Begriff von Bildung ist der dass das Forschen und Lehren unabhängig von wirtschaftlichen Interessen sein sollte! Doch genau das ist heutzutage nicht der Fall. Wie viele Universitäten arbeiten fast ausschließlich mit großen Unternehmen zusammen um den größtmöglichen Profit zu erzielen. Und lassen sie mich gar nicht erst über den Bologna-Prozess anfangen zu reden, da wird mir ganz schlecht. Bachelor ist für mich sowieso das Unwort des Jahrhunderts (und das ist schon mein 4. Jahrhundert).

Meine Damen und Herren, was bei uns herrscht ist AUS-Bildung, nicht BILDUNG. Und ich bin gerne bereit mich für eine grundlegende Veränderung unserer Bildungspolitik einzusetzen (ich war ja, falls Sie es eventuell vergessen haben, derjenige der dies alles überhaupt angefangen hat). Und aus genau diesen Gründen sollten sie Ministerin Schavan in den vorzeitigen Ruhestand schicken und mich als Bildungsminister (mit sofortiger Wirkung) ernennen, da ich eine Ahnung von Bildung habe. Ach ja und außerdem weil ich ein ganz toller Typ bin, Siehe Lebenslauf.


1 Kommentar bis jetzt
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Deine Empörung über die heutige Bildungslandschaft kommt gut herüber. Nebenbei landest du auch eine eindrucksvolle Breitseite gegen den späteren Rechtschreibreformer Konrad Duden.
Aber willst du wirklich ernsthaft in eine Regierung eintreten, die sich ganz zum Diener der Wirtschaft macht, deren führende Vertreter aber immer wieder netto und brutto verwechseln?
Mit denen hättest du als Sprachwissenschaftler gewiss keine Freund.

Kommentar von apanat




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