Die Klassikklasse


Tagebucheinträge Hölderlins
13. November 2009, 09:30
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Montag den 10. Mai 1802
Oh, schlimme Nachricht habe ich heute erfahren. Meine geliebte, liebenswürdigste Susette ist erkrankt! Ich werde sofort von Bordeaux aufbrechen, keinen Moment kann ich vergeuden. Ich habe mit Konsul Meyer gesprochen und meine Stelle als Hauslehrer in seinem Hause quittiert.

Dienstag den 25. Mai 1802
Ich schicke mich Susette rechtzeitig zu erreichen. Ich weiß, dass sie eine starke Frau ist, sie wird ihre Erkrankung überstehen. Und doch plagen mich die Zweifel, ich hätte sie nie verlassen dürfen. Sie ist bei ihrem Mann nicht gut aufgehoben. Er versteht sie nicht. Ich war der einzige, der sie verstand. Ich hätte sie mitnehmen können, wenn ich nur mehr Geld hätte um sie zu finanzieren. Könnte ich nur vom Dichten leben, ich würde ihr ein Schloss bauen, ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen, mit ihr reden und musizieren, frei sein und sie glücklich machen. Aber ich bin abhängig, abhängig von einem Herrn, von einer Anstellung, von der Güte des Adels. Diesmal werde ich sie mitnehmen, ich werde denselben Fehler nicht nochmal begehen, denn durch die Liebe mit Susette bin ich frei, frei und lebendig.

Montag den 7. Juni 1802
Ich habe heute Straßburg erreicht und musste dort Schlimmstes in Erfahrung bringen. Susette hat sich nicht erholt. Ihr Zustand verschlechtert sich. Sie liegt in ihrem Sterbebett. Ich werde sie rechtzeitig erreichen. Ich muss sie rechtzeitig erreichen! Sie kann noch nicht sterben, sie ist erst 34 Jahre alt, sie ist so jung, zu jung. Ich brauche sie.

Donnerstag den 10. Juni 1802
Meine Hoffnung schwindet. Ich laufe jeden Tag bis zur Erschöpfung und trotzdem, wenn ich mich hinlege, kann ich nicht schlafen. Ich liege wach und muss an sie denken, an die Zeit die wir zusammen verbracht haben. An die wunderschöne, glückliche, unbeschwerte Zeit mit ihr.

Sonntag den 13. Juni 1802
Ich bin so erschöpft, dass ich nicht mehr laufen kann. Heute konnte ich wieder nur 20 Kilometer zurücklegen. Ich denke ununterbrochen an sie.

Sonntag den 20. Juni 1802
Ich habe Frankfurt erreicht. Doch als ich zu ihrem Haus gekommen bin, wurde ich zurückgewiesen. Jakob Gontard hat angewiesen, dass niemand sie besuchen darf. Ich habe solange gewartet, bis ich rein gelassen wurde. Und Susette, meine wunderschöne Susette. Sie ist so mager und blass. Das Fieber schüttelt ihren Körper aber sie kriegt davon nichts mit. Täglich kommt ein Arzt um einen Aderlass durchzuführen. Sie ist nur ein Schatten ihrer selbst. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich wache so lange wie möglich bei ihr, ich weiß, dass dies einen Unterschied macht.

Dienstag den 22. Juni 1802
Susette Gontard ist heute verschieden. Ein Teil von mir ist mit ihr gestorben. Meine schöne Susette, ich kann es nicht ertragen nie wieder bei ihr zu sein. Es hat mich überwältigt. Ich muss aufbrechen

(unbekanntes Datum)
Kann nicht mehr aufstehen.Vor Tagen losgegangen.Verlaufen. Jeden Tag ein wenig vorwärts. Zusammenbrechen. Bäume. Felder. Wiesen. Gräben. Berge. Tage. Nächte. Ich denke nur an sie. Ich liebe sie.


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