Die Klassikklasse


Drohbrief einiger Neider an Wieland
30. Oktober 2009, 09:00
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Mögen Euch die Höllengeister verfolgen, Ihr, der Ihr Uns nachts des Schlafes beraubt,
und der Unsere Selbstzweifel schürt, Ihr, dessen unholde Seel’ in Unseren Nacken sitzt
wenn wir dichten, und stets flüstert: “Du kommst mir nicht gleich”.
Mögen Euch die Wellen Eurer Erhabenheit verschlingen,
der Ihr kein Recht habt, erhaben zu sein, Euren Idealen nicht treu.
Ihr glaubt Euch erhaben über das Stürmen und Drängen,
doch bedenkt, auch Ihr wolltet einst stürmen und drängen,
wie Kant und Voltaire Euch im Geheimen gelehrt, gegen die Einsamkeit.
Der Jüngling, der Ihr wart, gabt ihr dem Druck Eurer Familie nach,
aber Sophie drängte Euch zum Federkiel.
Als ihr begannt, der Frömmigkeit zu frönen, nach des finsteren Lehrmeisters Bild,
wandte sie sich ab von Euch. So begannt Ihr auf eigenen Beinen zu stehen,
doch das Schicksal entleerte Eure Börse und Euer Herz.
Gerühmt und geehrt fülltet Ihr beides wieder auf und gingt nach Weimar,
wo Euer Schaffen Geschichte schrieb. Nun schottet Ihr Euch ab,
hier ist der Anfang Eures Endes, vertrieben aus Weimar, durch Unsere Missgunst.
Des nachts sollen Euch Unsere Flüche heimsuchen, Unser Zorn soll schwärzen Eure Sonn,
Wegelagerer sollen Euch schänden, alles Übel der Welt Euch ereilen
- wie könnt, wie konntet Ihr – solch ein vermaledeit guter Dichter sein?!


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